Navigation überspringen und zum Inhalt springen

Ein Besuch beim „Mühlheimer Vogelschutzwart“

 
Am 22.9.2010 brachte ein Besuch bei Herrn Heinz Pfindel in Mühlheim Erkenntnisse, die den unbedarften Besucher total überraschten. Seine Arbeit am Artenschutz ist so vielschichtig, dass ein Vormittag bei ihm nur ein Abriss seiner Tätigkeiten widerspiegeln kann.
Seinen Titel „Mühlheimer Vogelschutzwart“ bekam er allerdings eher zufällig, wird seiner Tätigkeit zum Schutz der Natur aber voll gerecht.
 
Umso dankbarer sollte die Gesellschaft für eine solche Fleißarbeit sein, besonders auch im Hinblick darauf, dass ohne großes Aufhebens Voraussetzungen für künftige Öffentlich-keitsarbeit entsteht, die hoffentlich größeren Bewohnerkreisen die Notwendigkeit solcher Arbeit nahe bringt.
 
Unsere Natur braucht das, was Beobachtungen der Population eindeutig beweisen.
 
Wenn man bedenkt, dass z. B. ein Meisenpaar pro Jahr
ca. 700 000 Raupen und ca. 2 Millionen schädliche Insekten vertilgt, wird auch dem weniger Interessierten klar, wie wichtig die Erhaltung unserer Natur ist.
Man stelle sich vor, was passieren würde, gäbe es sie nicht mehr in der ihr eigenen Funktion.
Deshalb ist Arten- und Pflanzenschutz heute und künftig besonders wichtig, erst recht im Kleinen, da Gesetze zum Umweltschutz bei weitem nicht alles regeln können.
 
Herr Pfindel hat im Laufe seiner Tätigkeit zur Förderung und Erhaltung heimischer Arten 150 Nistkästen mit seinem Namen an seinem Haus, am früheren Bahnhof und an Spazierwegen rund um Mühlheim installiert und betreut diese zusammen mit weiteren 50 Nistkästen des Schwäbischen Albvereins, Sektion Mühlheim.
 
Die Nistkästen sind je nach Vogelanspruch gestaltet.
So wird unterschieden nach Höhlenbrütern und  Halbhöhlen-brütern. Solche sind z.B. Mauersegler, verschiedene Meisenarten, Klaiber, verschiedene Finkenarten, Bachstelzen, Rotschwänzchen, Zaunkönig, Stare, Spechte und andere.
Eine Nisthöhle für den überaus selten gewordenen Eisvogel ist installiert und wird gewartet.
Nistkästen für Wasseramsel, aber auch für Waldkauz sind ebenso dabei.
 
Sein Aufwand hierzu erstreckt sich durch das ganze Jahr und wird soweit möglich per Fahrrad und ca. 300 bis 400 Stunden abgewickelt, das heißt: jeder Nistkasten wird jährlich
mindestens 2 mal geprüft, gereinigt, soweit nötig Instand gesetzt und der entsprechenden Vogelart neu überlassen.
 
Jedoch nicht nur Vögel nehmen das Angebot von Nistkästen an, sondern Beobachtungen zeigen, dass auch Haselmäuse und Siebenschläfer diese gerne bewohnen.    
 
Ein weiteres Feld ist Hilfe zur Erhaltung von Fledermäusen. Fledermäuse sind gesetzlich geschützt seit 1936; dennoch kann dies nicht verhindern, dass sie allmählich immer weniger werden und auszusterben drohen.
Artgerechte Nistkästen für Fledermäuse sind also ebenfalls schon installiert und werden angenommen.
 
Zur Natur gehören natürlich auch Insekten, Amphibien, Schlangen, Kleintiere wie z.B. Igel.
Auch für diese Arten sorgt Herr Pfindel. Neben 15 Vogelnist-kästen brachte er geeignete Nisthilfen und 3 selbst geschaffene Biotope bei der Fischerhütte im Lippachtal an.
Die Hütte als Eigentum der Stadt Mühlheim wurde von ihm gereinigt und in einen Zustand gebracht, dass sich dort eine
„Nist- und Pflegestation für allerlei Arten“ errichten ließ.
 
Einige selbst hergestellte einfache Sitzbänke im Umkreis der Fischerhütte laden den Besucher zu beschaulicher Ruhe ein. Die Bewohner der 15 Nistkästen in unmittelbarer Umgebung sorgen bestimmt für angenehme Unterhaltung.
 
Der Platz scheint geradezu ideal für die gesamte Anlage zu sein, da die Biotope durch den Überlauf dortiger Trinkwasserquellen ganzjährig gespeist werden und nicht einfrieren.
 
Man findet dort auch für Wildbienen geeignete Brutkästen und am Weg dorthin ein richtiger Hornissenkasten. 
 
Wildbienen und Hornissen sind im übrigen gegen Menschen und Tiere entgegen üblicher Angst ungefährlich. Man darf nur nicht gegen sie schlagen, einklemmen und so weiter,
also sie nicht reizen….
 
Natürlich kostet diese ganze Arbeit sehr viel Geld. Man muss für einen nicht selbst hergestellten Nistkasten im Schnitt ca. 25 € rechnen, ein Hornissenkasten kostet allerdings ca. 80 €. Spenden der Teilnehmer an den Yogakursen, die Herr Pfindel im Rahmen der VHS gibt und leitet, fließen daher in diese Nistkästen.
Natürlich können Nistkästen auch selbst hergestellt werden. Eine Anleitung dazu liegt vor und ist hier veröffentlicht.
 
Längerfristiges Ziel von Herrn Pfindel ist ein Nistkastenlehrpfad im Lippachtal vom Kinderspielplatz bis zur Fischerhütte. Eine Menge Vorarbeit dazu ist schon geleistet.
 
Erhofftes Ergebnis der gesamten Arbeit ist:
 
Positive Entwicklung der Population gefährdeter Natur.
 
Eine große Hilfe dazu, bezogen auf Vögel, kann jeder leisten, indem er ganzjährig zufüttert.
 
Das hier Geschilderte bekamen im Rahmen „Ferienspaß 2010“ auch die Kinder zu sehen, die sich bei Herrn Pfindel angemeldet hatten und erschienen.
 
Hans Keller

 

drucken nach oben